Zeichnen in Vientiane

Weltreise Tag 24 bis 27

23 Tage verlief alles gut auf meiner Weltreise. In neun Ländern gab es keine Probleme bei der Ein- oder Ausreise. Und dann kam Laos, denn jeder muss manchmal daran erinnert werden, dass das Leben kein Ponyhof ist. Willkommen in der Demokratischen Volksrepublik Laos!

Was ist da los an der Grenze von Laos?

Von Thailand ging es mit dem Zug nach Thanaleng zur Dongphosy Station, die auf das Notwendigste reduziert ist. Es gibt den Bahnsteig und ein Haus mit winzig kleinen Fenstern, hinter denen die Zollbeamten sitzen.

Nur zwei der kleinen Fenster waren offen, also stellten sich alle gleichmäßig an beide an. Alle Touristen erhielten ein Einreiseformular zum Ausfüllen. Während wir mit dem Formular beschäftigt waren, schloss eines der Fenster, da alle anderen Fahrgäste in der Zeit abgearbeitet wurden. An dem anderen Fenster kam es immer wieder zu Diskussionen zwischen dem Zollbeamten und den Touristen, aber ich hörte nicht richtig zu und verstand vorerst nicht, worum es ging.

Als ich an der Reihe war, nahm der Zollbeamte mein Einreiseformular und meinen Reisepass mit dem Visum entgegen, sagte, alles sei okay, und verlangte dann eine Gebühr von zirka 7 Euro bzw. 250 Thai Baht. Davon hat man mir in der Botschaft in Deutschland nichts erzählt. Auf die Frage wofür die Gebühr sei, antwortete der Zollbeamte nur laut “Gebühr!” Gut, dass ich noch ein paar Thai Baht in der Tasche hatte, denn einen Geldautomaten gab es ja leider nicht am Bahnhof. Nach dem Bezahlen erhielt ich zwar meinen Reisepass mit Stempel zurück, aber keine Quittung für die ominöse Gebühr.

Auch andere Touristen haben zuvor nichts von der Gebühr gehört, daher fragte jeder nach, was den Zollbeamten zunehmend wütender machte. Irgendwann brüllte er einen Touristen dann lauthals an. Es fielen plötzlich Sätze vom Zollbeamten wie “Fahr zurück nach Thailand”, “Versuch doch ohne Stempel hinter die Grenze zu gehen, los” und “Ruf deine Botschaft an und dann sehen wir uns hinter der Grenze”. Die Situation wurde zunehmend unprofessioneller und ich fragte mich langsam, was da los ist, bei dem Zollbeamten.

Dongphosy Station in Laos

Ein nervenzerreißendes Nachspiel

Das Hauptproblem an der ganzen Situation war, dass kaum einer genug Bargeld dabei hatte, es keine Möglichkeit gab mit Kreditkarte zu bezahlen oder Bargeld abzuheben. Zum Glück gab es einen Busfahrer, der bereit war Geld zu leihen.

Wir waren irgendwann nur noch sechs Touristen am Bahnsteig und obwohl die Stimmung angespannt war, hatte jeder seinen gestempelten Reisepass in der Hand. Zu sechst trotteten wir dem Busfahrer hinterher, der uns mit seinem Shuttle-Bus in das Zentrum von Vientiane fahren sollte. Die Anspannung löste sich ein bisschen während der Fahrt, aber lange hielt dies nicht an.

Das Handy des Busfahrers klingelte, er sprach kurz mit der Person am anderen Ende der Leitung und fragte dann in die Runde, ob jeder sein Visum hat. Schlagartig blätterten wir durch unsere Reisepässen, verglichen die Stempel und fragten uns, ob vielleicht das viele Nachfragen dazu geführt hat, dass etwas “versehentlich” schief gelaufen ist.

Aufgrund sprachlicher Hürden verstand niemand so recht, was das Problem war und da ich direkt neben dem Busfahrer saß, landete sein Handy irgendwann an meinem Ohr. “Kommen Sie zurück, die Polizei wartet hier auf sie. Jede Menge Polizei.”

An diesem Punkt stieg in jedem ein bisschen Angst auf. Der Bus drehte um, manche von uns fotografierten ihre Reisepässe und andere machten sich schon Gedanken darüber, wie sie ihre Botschaft erreichen können. Selbst dem Busfahrer liefen die Schweißperlen vor Anspannung das Gesicht hinab. Den Busfahrer so gestresst zu sehen, machte mir am meisten Sorgen.

Als wir wieder am Bahnhof ankamen, war weit und breit keine Polizei zu sehen. Mit dem Busfahrer zusammen liefen wir zum Fenster, wo unsere Reisepässe noch einmal kontrolliert wurden. Der Tourist, der eine halbe Stunde vorher noch am lautesten angebrüllt wurde, erhielt seinen Reisepass jedoch nicht sofort zurück.

Wir alle versuchten durch das winzige Fenster zu sehen, was mit dem letzten Reisepass passiert, aber man konnte kaum etwas erkennen. Der Busfahrer tupfte sich immer wieder mit einem Taschentuch die Stirn und der Tourist, der seinen Reisepass nicht erhielt, wartete geduldig. Hinter dem Fenster war es die ganze Zeit still. Die Anspannung machte einen fast wahnsinnig. Plötzlich gab es einen Knall, als würde Jemand auf einen Tisch schlagen, einige weitere Sekunden vergingen und zur Überraschung aller tauchte dann eine Hand durch das Fenster auf, die dem Touristen seinen Reisepass reichte.

Es stellte sich heraus, dass der Zollbeamte den Reisepass zwar gestempelt, aber nicht mit einem Visum versehen hat. Bei der Ausreise würde man sich also höchstwahrscheinlich fragen, welcher Zollbeamte seinen Job nicht richtig ausgeführt hat.

Nach über einer Stunde Bibbern und Bangen war die Einreise geschafft. Der Busfahrer strahlte wieder wie ein Honigkuchenpferd, machte im Bus diesmal sogar Musik an und wir fuhren endlich ins Zentrum von Vientiane.

Vientiane

Von meinen vier Tagen in Vientiane verbrachte ich zwei im Hotelzimmer, da ich mir gleich am zweiten Tag einen sehr starken Sonnenbrand zuzog. Verärgert über meine eigene Dummheit verbrachte ich die Zeit mit zeichnen, Videos schneiden und Blogbeiträge schreiben.

Fotos aus Vientiane

Nach den Ereignissen an der Grenze fragte ich mich, ob Touristen vielleicht in Vientiane nicht gerne gesehen sind. Es stellte sich aber heraus, dass die Menschen keinerlei Probleme mit Fremden haben. Ganz im Gegenteil: Viele Menschen sprechen Englisch und nehmen es einem nicht übel, wenn man die Landessprache nicht spricht oder beim Versuch einzelne Wörter auszusprechen kläglich scheitert.

Daymarket in Vientiane

Mönche in Vientiane

Abend in Vientiane

Statue in Vientiane

Fluss in Vientiane

Viele Motorräder und Roller in Vientiane

Roller mit Einkaufskorb in Vientiane

Tagesausflug außerhalb von Vientiane

Am zweiten Tag hüpfte ich auf einen Roller und fuhr zum Nam Ngum See, der nördlich von Vientiane liegt. Unterwegs gab es viele interessante Orte, an denen ich abstieg, Fotos machte und mit der Drohne flog.

Brücke in Laos

Kleines Tor in Laos

Flagge mit Hammer und Sichel

Landschaft Laos

Nam Ngum See Laos

Hühner in Laos

Hütte in Laos

Zeichnungen aus Vientiane

Vientiane hat mich zu meinem ersten Landschaftsbild auf der Weltreise inspiriert! Es ist lange her, seit ich mich das letzte Mal für ein Landschaftsbild begeistern konnte. Sie mögen einfach aussehen, aber man muss sich beim Zeichnen der hintereinander liegenden Ebenen ziemlich konzentrieren.

Landschaft zeichnen in Vientiane

Etwas, das mir in Vientiane aufgefallen ist, weil es in Berlin ein mittlerweile seltener Anblick geworden ist: Kinder laufen in der Stadt herum und spielen miteinander. Kein Kind besitzt ein Smartphone, dafür aber einen Ball oder anderes Spielzeug, das mit Freunden und Geschwistern geteilt wird.

Geschwister zeichnen in Vientiane

Ein paar letzte Gedanken

Ein Zollbeamter ist eine der ersten Personen, auf die man in einem neuen Land trifft. Wenn diese Begegnung schlecht verläuft, lässt man sich vielleicht dazu hinreißen schlechte Gedanken über das ganze Land zu entwickeln. Gleichermaßen kann aber auch der Zollbeamte schlechte Gedanken entwickeln, wenn mehrere Touristen sich ihm gegenüber unfreundlich verhalten.

Über das Chaos an der Dongphosy Station kann ich mittlerweile lachen, denn zum Glück ist alles gut gelaufen. Alle anderen Menschen in Laos waren sehr herzlich, freundlich und hilfsbereit. Von Vientiane ging es zum Glück nicht wieder mit dem Zug, sondern mit dem Flugzeug weiter. Am Flughafen von Vientiane lief alles sehr professionell und freundlich zu. Vielleicht hatte der Zollbeamte an der Dongphosy Station einfach nur einen schlechten Tag.

Roller fahren in Laos

Alle Teile der Reihe Weltreise 18/19

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