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Zeichnen in Prag

Wer eine Reise nach Prag unternimmt, der wird bei einem Spaziergang durch die Altstadt schnell das Gefühl bekommen eine Reise in die Vergangenheit unternommen zu haben. Wie kein anderer Ort in Europa ist das Stadtbild der tschechischen Hauptstadt geprägt von authentischen und gut erhaltenen Gebäuden im damals weit verbreiteten Stil des Mittelalters: Der Gotischen Architektur.

Architektur in der Altstadt von Prag

Es fällt schwer den Blick nicht ständig nach oben zu den Gebäuden wandern zu lassen, denn die vielen Skulpturen und Verzierungen ziehen die Aufmerksamkeit wie magisch an sich und sorgen für jede Menge Inspiration. Kafka hat hier sicherlich auch jede Menge Inspiration getankt, denn nicht umsonst verbrachte er sein ganzes Leben in der Stadt und wurde trotzdem einer der berühmtesten Schriftsteller der Geschichte.

Mit meinem Zeichenblock und Bleistiften in der Tasche wanderte ich wie schon unzählige Menschen vor mir durch die Prager Altstadt. Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen vor einer Sehenswürdigkeit zum Skizzieren stellte ich jedoch schnell fest, dass ich keinen schlechteren Zeitpunkt hierfür hätte auswählen können als den Sommer ;)

Historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten in Prag

Prag wurde schon in den Jahren 940 und 950 als lebendige Stadt von arabischen Wanderern und germanischen Chronisten beschrieben (Kim, 2003), jedoch nimmt der lebendige Strom von heutigen Touristen im Sommer völlig neue Dimensionen an. Wer die Altstadt in all seiner Pracht genießen möchte, der sollte auf gar keinen Fall im Sommer nach Prag, sondern es lieber im Frühling oder Herbst - vielleicht sogar im Winter versuchen.

Ich möchte mich aber gar nicht zu viel über die Touristen beschweren, denn schließlich war ich selber Mitglied von Team Sommer-Tourist und stand mit Sicherheit anderen Touris auch ständig im Weg, während sie versuchten Fotos zu schießen.

Karlsbrücke

Die Karlsbrücke in Prag

Die Karlsbrücke ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Prag, dabei hätte es sie aber wahrscheinlich nie gegeben, wenn ihr Vorgänger die Judithbrücke nicht am 3. Februar 1342 durch ein Hochwasser zerstört worden wäre. Diese wurde 1158 erbaut und stand etwas nördlich von der heutigen Karlsbrücke. Die Judithbrücke (nach Königin Judith von Thüringen benannt) war ihrerzeit eine der wenigen Steinbrücken in ganz Mitteleuropa, was sie damals zu einer großen Besonderheit machte. Erst 15 Jahre nach der Zerstörung der Judithbrücke, also 1357, wurde die Karlsbrücke auf Beschluss von Kaiser Karl IV erbaut und auch nach ihm benannt (Kim, 2003).

Auf die Karlsbrücke habe ich mich besonders gefreut wegen der Skulpturen der Patronen und der Heiligen. Lustiger Weise hat Karl IV diese damals gar nicht in Auftrag gegeben. Die ersten wurden erst 1629 auf die Brücke gestellt und weitere wurden über die Jahrzehnte hinweg ergänzt.

Statuen auf der Karlsbrücke in Prag

Wie man sich denken kann, ist die Karlsbrücke völlig von Touristen überlaufen gewesen. Meine Aufmerksamkeit schenkte ich leider hauptsächlich den Füßen der Leute um mich herum, um weder drauf zu treten noch drüber zu stolpern. Auch wenn ich hier und da einen Blick auf die Skulpturen werfen konnte, so steht immer Jemand daneben oder eine Hand mit Handy schnellt in mein Sichtfeld.

Altstädter Brückenturm

Altstädter Brückenturm in der Altstadt von Prag

Der Altstädter Brückenturm wurde erst Jahre nach der Karlsbrücke erbaut, aber gehört mittlerweile zur ihr wie die Knoblauchsoße zum Döner (das ist vielleicht ein sehr schlechter Vergleich für Jeden, der nicht aus Berlin kommt…) Direkt über dem Torbogen sieht man die Wappen der Länder, die ungefähr um 1380 (da wurde der Bau des Turms zirka fertiggestellt) zum Böhmischen Reich gehörten. Über ihnen befinden sich Skulpturen von Karl IV, seinem Sohn Wenzel und dem Heiligen Veit. Zwischen ihnen sieht man die Wappen des römisch-deutschen Kaisers (der Adler) und des böhmischen Königs (der Löwe). Die zwei Skulpturen weiter oben stellen die Heiligen Adalbert und Sigismund dar.

Für 100 Kč pro Person (was weniger als 4 € sind) kann man auf den Turm stapfen. Dies wollte ich mir nicht entgehen lassen! Auf einer Zwischenebene kann man sich mit ein wenig historischem Wissen füttern, jedoch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mir nichts von den Infos gemerkt habe.

Oben angekommen stellte ich überrascht fest, wie wenig Platz es gab. Ohne zu übertreiben: An den schmalsten Stellen passten mit Mühe und Not gerade einmal zwei Menschen nebeneinander, an der breitesten Stelle vielleicht drei. Allerdings verhielten wir uns einander gegenüber alle sehr höflich. Wer durch wollte, schaffte dies selten ohne Jemanden auf den Fuß zu treten, aber statt Gebrüll gab es stets ein verständnisvolles Lächeln. Jeder wurde einmal an die kleinen Aussichtsbögen gelassen und dort konnte ich folgende zwei Fotos schießen:

Aussicht vom Altstädter Brückenturm in Prag

Aussicht vom Altstädter Brückenturm in Prag

Prager Rathausuhr / Altstädter Astronomische Uhr

Ein Beitrag geteilt von GioRau (@giorau) am

Die Prager Rathausuhr (auch Altstädter Astronomische Uhr genannt) ist ein unbeschreiblich schönes Meisterwerk. Die im Jahr 1410 erbaute mechanische Uhr zeigt mehr als nur die Uhrzeit an. Hier kann man die aktuelle Lage von Sonne und Mond ablesen sowie weitere Dinge, von denen ich einfach nicht verstehe, wie man sie damals ohne unsere heutige Technik überhaupt bestimmen konnte.

Die Uhr wie man sie heute kennt wurde jedoch nicht in einem Rutsch so gebaut. Über die Jahrhunderte hinweg wurde sie durch neue Features ergänzt wie beispielsweise durch zwei Sonnenuhren.

In großer Erwartung machte ich mich also auf den Weg das Wunderwerk mit eigenen Augen zu sehen - und sah nichts. Weg war es, das Meisterwerk! Die Prager Rathausuhr hat aber niemand geklaut, sie wurde zur Restaurierung abgeholt und wird voraussichtlich erst im August 2018 wieder an ihren Platz zurückkehren.

Prager Burg

Die Prager Burg (die zu den größten Burgen der Welt gehört) wurde über die Jahrhunderte immer wieder von verschiedenen Baumeistern überarbeitet und machte so diverse Stile von Romantik über Spätgotik und Renaissance durch (Kim, 2003).

Der neuste Teil der Burg ist der im 18. Jahrhundert erbaute Ehrenhof, den man durch das Gittertor und den Gitterzaun sehen kann. Vor dem Gittertor steht außerdem eine Wache, deren Ablösung weiterhin zeremoniell fortgesetzt wird.

Während ich wie alle anderen Touris in meiner kurzen Hose und meinem lockeren T-Shirt schon ohne Ende zu schwitzen schien, stand die Wache tapfer und ohne mit der Wimper zu zucken da.

Da meine Zeit in Prag begrenzt und die Schlange vor dem Ehrenhof unendlich lang war, entschied ich mich gegen einen Besuch der Burg. Auch hier gab ich es auf bei all dem Gewusel zwischen Touristen ein Foto zu machen und bin an dieser Stelle Instagram sehr dankbar. Wenn euch die eingebundenen Bilder gefallen, schaut doch mal bei den Leuten auf deren Feed vorbei und hinterlasst einen Like oder Follow :D

Skizzen und weitere Inspirationen aus Prag

In meiner Vorstellung sah ich mich auf der Karlsbrücke vor den Skulpturen stehen mit meinem Zeichenblock, in der Realität lag ich auf dem Hotelbett und nahm meine Fotos als Vorlage für die Skizzen. Zwar habe ich damit mein Vorhaben draußen zu zeichnen nicht erfüllt, aber wenigstens saß ich endlich einmal nicht zu Hause am Schreibtisch.

Skizzen aus Prag

An der Moldau

Bewacht von EUlen

Häuser in der Altstadt von Prag

Was mir neben den typischen Sehenswürdigkeiten in Prag sehr gut gefallen hat, waren die Häuser. Viele davon waren im Besitz interessanter Skulpturen über den Häusereingängen, die ich so als absoluter Reise-Neuling noch nie zuvor gesehen habe.

malerische Häusereingänge in Prag

malerische Häusereingänge in Prag

verzierete Hauswand in Prag

Ein paar letzte Gedanken

Vielleicht verschlägt es mich irgendwann noch einmal nach Prag, jedoch werde ich dann definitiv kältere Monate wählen in der Hoffnung, dass dies die Touristenzahl klein hält. Vielleicht war es auch keine gute Idee Prag an einem Wochenende zu besuchen, aber nichtsdestotrotz bereue ich den Trip keine Sekunde. Auch wenn ich nicht so viele Fotos gemacht habe, so haben meine Augen jede Menge neuer Eindrücke aufgenommen.

Und meine Nase hat sogar einen verschollenen Bruder gefunden. Welch verblüffende Ähnlichkeit ;D

gleiche Nasen


Literatur:

  • Kim, Kyuchin. 2003. “Czech Culture in Prague: Architecture”, International Area Studies Review, Vol.6(1), S. 19-33.

Bilder:

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