Zeichnen in Kyoto

Weltreise Tag 36

Am 36. Tag meiner Weltreise ging es von Osaka mit dem Zug in knapp einer Stunde nach Kyoto für einen großartigen Tagesausflug. Kyoto war während der Edo-Zeit (1603 bis 1868) der Sitz des Tennō (Kaisers) und gehört heute zu den wichtigsten Städten japanischer Geschichte und Kultur. Die Zugfahrt konnte daher gar nicht schnell genug gehen, denn ich freute mich riesig darauf diese wunderbare Stadt zu erkunden.

Higashi Hongan-ji Tempel

Kaum habe ich den Bahnhof verlassen, stand ich auch schon zehn Minuten später vor dem Higashi-Honganji Tempel. Er ist mitunter dafür bekannt, dass seine Gründerhalle das größte Holzgebäude der Welt ist.

Higashi Hongan-ji Tempel

Bevor man die Gründerhalle betritt, zieht man seine Schuhe am Fuß der Holztreppe aus und trägt sie in Beuteln mit sich, die einem zur Verfügung gestellt werden und die man beim Verlassen der Gründerhalle wieder abgibt.

Higashi Hongan-ji Tempel Gründerhalle in Socken erkunden

An den Türen der Gründerhalle wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Fotografieren weder mit einer Kamera noch mit dem Handy gestattet ist. Als ich die Halle betrat, meditierten einige Menschen im vorderen Bereich des Tempels und es hätte sich ohnehin falsch angefühlt Fotos zu machen.

Higashi Hongan-ji Tempel Gründerhalle keine Fotos

Mein Professor aus der Japanologie sagte einmal in einer Sitzung, dass Regeln immer dann aufgestellt werden, wenn jemand etwas versemmelt hat. Wem auch immer wir diese eigentlich selbstverständliche Regel zu verdanken haben: Die Gebäude des Higashi Hongan-ji Tempels sollte man nicht mit einem Rollkoffer im schlepptau besuchen.

Higashi Hongan-ji Tempel ohne Rollkoffer besuchen

Wer den Tempel dennoch mit einem Koffer besucht, der muss nicht gleich den Rückzug antreten. Abhilfe schafft eine kleine Station, wo man Koffer und auch Kinderwagen kurzzeitig anschließen kann.

Higashi Hongan-ji Tempel Anschluss-Station für Rollkoffer

Yasaka-Schrein

Der Yasaka-Schrein zählt zu den bekanntesten Shintō-Schreinen in Kyoto und gehört zu den größten in ganz Japan. Der ursprüngliche Schrein wurde im Jahr 656 erbaut und rund 300 Jahre später um weitere Schreine erweitert. Jedes Jahr im Juli ist der Yasaka-Schrein Mittelpunkt des Festivals namens Gion-Matsuri, bei dessen Parade ein riesiger, tragbarer Schrein durch Kyoto getragen wird.

Yasaka-Schrein

Während meines Besuchs im Dezember schien kein bestimmtes Fest stattzufinden, aber dennoch trugen viele junge Besucher Kimonos und machten diverse Fotos voneinander auf dem Gelände.

Yasaka-Schrein

Yasaka-Schrein

Kleiner Spaziergang zu Fuß

Zur nächsten Sehenswürdigkeit gelangte ich über einen kleinen Fußmarsch durch die Stadt, bei dem ich noch ein bisschen mehr von Kyoto sehen konnte.

Kyoto

Ehrlich gesagt fand ich jede Ecke in Kyoto interessant, denn die Häuser und Straßen sehen so viel anders aus als alles, was ich aus Deutschland kenne.

Kyoto

Es ist nicht nur die allgegenwärtige Sauberkeit in Japan, die mich so fasziniert. Alles wirkt sehr gut gepflegt und ist ordentlich angeordnet, was ich bis jetzt für unmöglich gehalten habe bei einer Stadt mit so vielen Menschen.

Kyoto

Fushimi Inari-Taisha

Beim Fushimi Inari-Taisha handelt es sich um einen besonderen Shintō-Schrein, denn er zieht sich bis zur Spitze des zirka 230 Meter über dem Wasserspiegel liegenden Berges Inari. Unterwegs trifft man auf mehrere kleine Schreine, aber Wanderlustige nehmen sich den Schrein ganz oben zum Ziel.

Ich hetzte ein wenig über den Eingangsbereich, denn es war schon nachmittags und ich wollte die Spitze unbedingt noch bei Tageslicht erreichen. Das einzige, was ich schnell im Vorbeigehen wahrgenommen habe, war die von einigen Menschen umgebene, prächtige Gedenkhalle.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha Gedenkhalle

Mit zügigen Schritten ging es zum Beginn des Pfads, der einen hoch zur Bergspitze führt. Zügig wurde auch das Tempo gedrosselt, denn hier wimmelte es nur von Menschen und ich ließ mich sofort wie alle anderen dazu hinreißen mein Handy zu zücken und mit offenem Mund die unzähligen Torii zu fotografieren.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha torii Pfad

Überraschender Weise löste sich die Menschenmasse nach einigen Minuten Fußmarsch bereits auf, sodass das Tempo wieder etwas angezogen werden konnte.

Die Torii sind allesamt Rot und folgen einer einheitlichen Form, auch wenn sie sich größentechnisch voneinander unterscheiden. Das liegt daran, dass der Preis der Toriis je nach Größe variiert und es stark vom Budget des Zahlenden abhängt. Doch wer kauft die Toriis?

Kyoto Fushimi Inari-Taisha torii Pfad

Kaufen ist vielleicht das falsche Wort, denn es geht hierbei eher um eine Art Spende. Alle Spender sind auf der Rückseite des jeweiligen Torii namentlich erwähnt und auch wenn ich die Schriftzeichen nicht lesen kann, so ließ ich mir sagen, dass es sich hierbei neben einzelnen Personen auch um Unternehmen handelt.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha torii Pfad

Je länger man dem Pfad folgt, umso tiefer dringt man in den Wald ein. Die kleinen Schreine und die Torii selbst wirken interessanter Weise nicht einmal wie Fremdkörper in der Natur, sondern scheinen sich genau an richtiger Stelle zu befinden.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha torii Pfad

Die Wanderung hinauf zum obersten Schrein ist wirklich kein Zuckerschlecken, denn man spürt die konstante Steigung deutlich in den Beinen. In der letzten halben Stunde begegnete ich immer weniger Menschen. Ich fragte mich, wie viel vom Pfad noch vor mir lag und ob ich oben mit oder ohne Schnappatmung ankommen würde.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha torii Pfad

Als ich endlich den Schrein auf der Spitze erreichte, konnten meine Beine ihr Glück kaum fassen. Völlig außer Atem ging ich auf eine kleine Entdeckungstour, bevor ich den Rückweg antrat.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha Schrein

Kyoto Fushimi Inari-Taisha Schrein

Kyoto Fushimi Inari-Taisha Schrein

Als ich wieder unten den Eingangsbereich erreichte, hat sich schon die Nacht über Kyoto gelegt. Ich war fix und fertig, aber die Wanderung bis zur Spitze hat sich definitiv gelohnt.

Übrigens: Das größte Torii des Schreins steht direkt am Eingang und kommt von dem mächtigen Toyotomi Hideyoshi, daimyō (vergleichbar mit Fürst) zwischen 1585 bis 1592.

Kyoto Fushimi Inari-Taisha Hideyoshis Torii

Zeichnungen aus Kyoto

Aus Kyoto nahm ich einen langanhaltenden, starken Muskelkater mit sowie viele grandiose Eindrücke. Schon im Zug zurück nach Osaka kribbelte es mir in den Fingern und kurze Zeit später befanden sich drei weitere Zeichnungen im Weltreise-Skizzenbuch.

Zeichnung der Torii – Fushimi Inari-Taisha, Kyoto

Zeichnung eines kleinen Drachen

Zeichnung von zwei Japanerinnen in Kyoto

Ein paar letzte Gedanken

Osaka und Kyoto waren für mich gleichsam faszinierend, aber auch gleichsam sehr fremd. Nach wie vor verstehe ich nicht, wie eine ganze Gesellschaft ihre Umgebung mit so viel Rücksicht und Respekt behandeln kann. Gleichzeitig frage ich mich aber auch, ob wir anderen einfach alle etwas Banane sind.

Würde ich einen alten und schönen Bonsai auf die Straße vor meinem Haus in Berlin stellen, wäre er in Nullkommanichts weg. Genauso, wie wenn ich ein nicht angeschlossenes Fahrrad dort hinstellen würde. Oder ein angeschlossenes Fahrrad (true story).

Bonsai auf einer Straße in Kyoto

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