Zeichnen in Jerewan

Weltreise Tag 8 bis 10

Von Tbilisi ging es auf meiner Weltreise mit einem uralten Zug nach Jerewan. Im direkten Vergleich zu Tbilisi wirkt die armenische Hauptstadt wie das komplette Gegenteil: Die Straßen sind intakt, sauber, es gibt breite Gehwege für Fußgänger, Ampeln, Zebrastreifen und weit und breit ist kaum eine streunende Katze oder ein streunender Hund zu sehen. Auch Bettler habe ich nicht gesehen und obwohl es in Jerewan einige ältere Händler auf den Straßen gibt, so sind es wesentlich weniger als in Tbilisi.

Kaskaden – Jerewans beeindruckender Treppenbau

Am Tag meiner Ankunft blieb ich den ganzen Tag im Hotel, um Videos zu schneiden und an Blogbeiträgen zu arbeiten. Nach diesem produktiven ersten Tag in Jerewan und einer guten Portion Schlaf ging es jedoch am nächsten Tag direkt wieder raus auf Erkundungstour.

Vom Hotel bis zu den Kaskaden war es kein weiter Weg: In weniger als 20 Minuten zu Fuß stand ich bereits im Park vor dem beeindruckenden Treppenkomplex und wusste, dass mein Ziel all die Treppen hinauf zu laufen auch bedeutete, dass ich danach nur noch Richtung Hotelzimmer laufen werden.

Die Kaskaden sind im Prinzip eine sehr lange Anordnung von Treppenstufen und Ebenen, die sich von einem Platz bis hoch nach oben zu einer Aussichtsform ziehen. Fertig ist der Bau noch nicht, auch wenn das Projekt schon vor einigen Jahrzehnten angefangen wurde.

Kaskaden in Jerewan

Der Entwurf der Kaskaden stammt von Jerewans Stadtplaner Alexander Tamanjan, der ihn bereits in den 30ern fertig gestellt hat. Umgesetzt wurde er jedoch erst in den 70ern, um Armeniens 50-jährige Zugehörigkeit zur Sowjetunion zu ehren. Mit dem Fall der Sowjetunion wurden die Arbeiten an dem Bau vorerst beendet. Bis heute wurde immer wieder davon gesprochen das Projekt zu beenden, aber es scheint, dass die finanziellen Mittel hierzu nicht ausreichen. Unter den Treppen befinden sich Räume für Museen und Ausstellungen, jedoch sind diese nicht ausreichend besucht, wodurch eine potenzielle Einnahmequelle fehlt.

Kaskaden Wand mit Ornamenten in Jerewan

Man möchte meinen, dass die wenigsten Menschen Lust darauf haben so unheimlich viele Treppen hoch zu laufen, aber die Armenier scheinen den Aufstieg mit links zu meistern. Allgemein ist ziemlich viel los auf den Kaskaden: Viele Pärchen genießen auf den vielen Sitzgelegenheiten einander und die schöne Aussicht, Schulklassen tummeln sich dort mit ihren Lehrern herum, Touristen wie ich machen von jeder Ecke Fotos und die Ältesten der Bevölkerung spazieren mit der größten Ruhe und Mühelosigkeit die gesamten Kaskaden empor.

Skulpturen auf den Kaskaden in Jerewan

Die Kaskaden müssen besonders im Frühling und Sommer traumhaft schön sein, denn großer Bestandteil von ihnen sind die vielen Ebenen mit bunten Blumensträuchern. Die Aussicht von weiter oben auf den Kaskaden ist wunderschön. Man blickt auf die vielen Treppen hinab, die man hinter sich gebracht hat sowie auf den Park und die Skyline von Jerewan.

Aussicht von den Kaskaden in Jerewan

Noch ist die endgültige Aussichtsplattform von den Kaskaden getrennt, aber wer um die Baustelle herum läuft, kann diese trotzdem erklimmen. Während ich schon völlig aus der Puste weiter lief, zogen sehr alte Herrschaften mit der besagten Ruhe und Mühelosigkeit an mir vorbei.

Monument auf den Kaskaden

Wenn man (nach gefühlt einer Milliarde Treppen) den letzten Treppenaufgang erklimmt und einen Blick zurück wirft, offenbart sich einem dieser tolle Anblick, bei dem die oberste Aussichtsplattform den Ausblick auf die Stadt und den Himmel voneinander trennt.

Aussichtsplattform Jerewan Treppe

Auf der obersten Aussichtsplattform herrscht eine ganz eigenartige Art von Ruhe, auch wenn in direkter Nähe stark befahrene Straßen liegen. Es scheint, als wäre man direkt zum Himmel hoch gestiefelt.

Aussichtsplattform in Jerewan

Langer Spaziergang durch ein regnerisches Jerewan

Am nächsten Tag waren zwei Dinge nicht ganz optimal: Ich faule Socke hatte Muskelkater von den vielen Treppen am Vortag und es regnete. Der Regen ging nach dem Frühstück wenigstens in einen Nieselregen über, was mir noch erträglich schien für einen langen Spaziergang. Ich musste schließlich noch eine sehr wichtige Sehenswürdigkeit besuchen.

Haghtanak (Sieges-) Brücke

Bei der Brücke handelt es sich noch nicht um die Sehenswürdigkeit, die ich unbedingt besuchen wollte. Ich habe sie mehr oder weniger durch Zufall unterwegs entdeckt, da ich sie überqueren musste.

Haghtanak (Sieges-) Brücke in Jerewan

Die Haghtanak-Brücke wurde zwischen 1943 bis 1945 über dem Fluss Hrazdan zu ehren des Sieges der Sowjetunion über Nazi Deutschland gebaut und ist ein wirklich beeindruckendes Objekt.

Hrazdan Fluss in Jerewan

Der Nieselregen gönnte sich immer häufigere Pausen, auch wenn die dicke, graue Wolkendecke hartnäckig über Jerewan hängen blieb. Die Pausen waren mir willkommen, denn ich war gerade einmal eine halbe Stunde unterwegs und hatte noch eine weitere halbe Stunde vor mir bis zum Ziel.

Haghtanak Brücke in Jerewan

Zizernakaberd

Etwas nass vom Regen und spätestens nach dem kleinen Fußmarsch bergauf auch etwas verschwitzt, kam ich endlich an meinem Ziel an.

Beim Zizernakaberd handelt es sich um ein Monument, das in Gedenken an den Völkermord an den Armeniern 1915 während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich erbaut wurde. Es besteht aus einem mehr als 40 Meter hohen Obelisken und zwölf Pylonen, die im Kreis zueinander stehen.

Zizernakaberd in Jerewan

In der Mitte der Pylonen brennt die ewige Flamme und rund um sie herum waren während meines Besuches Blumen niedergelegt. Über Lautsprecher wurde der Gesang eines Chors abgespielt, wobei ich mir erst nicht sicher war, ob unter dem Monument nicht ein richtiger Chor sang. Offizieller Gedenktag des Völkermordes is der 24 April, jedoch spürt man auch an anderen Tagen, dass das Denkmal lebt. Auf de Gelände befindet sich auch ein Museum, das besucht werden kann.

Zizernakaberd Pylonen und Ewige Flamme

Zeichnungen aus Jerewan

Die Reise nach Jerewan war super, jedoch für mich nicht zwingend inspirierend in künstlerischer Richtung. Auch wenn es mir große Freude machte durch die Stadt zu gehen und sie zu erkunden, so fiel es mir am Ende doch ein wenig schwer Vorlagen für Skizzen zu finden.

Skizze eines Ornaments von den Kaskaden in Jerewan

Skizzen aus Jerewan

Ein paar letzte Gedanken

Jerewan war im Rahmen der Weltreise ein Ort, der mich hat durchatmen lassen. Inspiration hin oder her, nach Tbilisi war es schön bei gutem Wetter einfach durch die Stadt zu bummeln auf breiten Gehwegen, guten Straßen mit Fußgängerübergängen und dabei nicht über Straßenhunde und Bettler zu stolpern. Und auch wenn ich das Thema Essen in meinem Blog nicht behandle: Armenien hat absolut leckeres Essen.

Gepflegte Katze im Park filmen

Alle Teile der Reihe Weltreise 18/19

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