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Wozu eigentlich Skizzen draußen zeichnen?

// Kategorie: Hilfreich

Wann habe ich eigentlich das letzte Mal Etwas außerhalb meiner vier Wände gezeichnet? Es war im Jahr 2010 während meines Praktikums bei der Contravision Medienwerkstatt. Es war ein Aschenbecher. In den letzten sechs Jahren war ich einfach zu faul Bleistift und Skizzenbuch mit mir herum zu schleppen. Und ich hatte auch ehrlich gesagt weder die Zeit noch die Lust irgendwo draußen zu sitzen und zu zeichnen.

Aber muss ich das überhaupt? Wozu soll ich eigentlich Skizzen draußen zeichnen, wenn es zu Hause doch so viel schöner und ruhiger ist.

Du hast keine Wahl

If you put yourself in a position where you have to stretch outside your comfort zone, then you are forced to expand your consciousness- Les Brown

Einen Aschenbecher SkizzierenWährend man zu Hause mutwillig auswählt was man skizzieren will, kann man das außerhalb nicht. Zumindest nicht vollkommen.

Klar, du hast Einfluss darauf ob du dich in einen Park oder in eine Bibliothek setzt, aber Du würdest im Park den Leuten nicht sagen, wie sie sich auf ihre Picknickdecke zu setzen haben oder in der Bibliothek damit beginnen die Möbel umzustellen, damit dein Bild besser aussieht.

Und genau das ist es, was das Skizzieren draußen zu einer guten Übung macht: Fang das ein, was vor Dir sitzt. Selbst wenn es nichts ist, was du unbedingt freiwillig selber zeichnen würdest. Mach es trotzdem und verbessere dadurch deine Zeichenfähigkeiten. Ich hätte wahrscheinlich auch nie einen Aschenbecher freiwillig gezeichnet, aber er war 2010 da und ich hatte eine sehr lange Pause.

Skizzen draußen zeichnen - challenge accepted!

Weniger darüber reden, mehr draußen skizzieren. Ich habe mein Skizzenbuch mit nach draußen genommen und mich gezwungen das zu zeichnen, was sich vor mir befindet.

Und siehe da, jede Kulisse hat mir etwas beigebracht.

Die Holzlaube bittet um Verbesserung der geraden Linien!

Holzlaube Freie Universität Berlin skizzierenAls ich letztens auf einen Termin in der Uni wartete, bot es sich an die Wartezeit mit einer Skizze zu überbrücken.

Auch wenn die Holzlaube der Freien Universität Berlin echt ein schickes Ding ist, wäre sie eigentlich nicht meine erste Wahl für eine Bildvorlage. Ich mochte es schon in der Schule nicht Gebäude zu zeichnen und bis dato hat sich nichts daran geändert - oder doch?

Zeichnen ist ein Handwerk und wenn ich keine Gebäude zeichnen kann, dann bin ich beschränkt darin. Will ich beschränkt sein? Willst Du beschränkt sein?!

An meiner Skizze ist klar zu erkennen, dass ich an meinen geraden Linien arbeiten muss. Geübte Künstler können frei aus der Hand Linien ziehen, die wie mit einem Lineal gezogen aussehen. Meine Version der Holzlaube hätte wahrscheinlich nicht den Statik-Anforderungen des Staats Berlin stand gehalten, daher heißt es demnächst üben, üben, üben.

Außerdem können Gebäude im Hintergrund eine unheimlich große Bereicherung für die Stimmungen von Bildern sein: Eine verlassene alte Hütte, eine schwach von innen beleuchtete Bar oder ein prächtiges Schloss. Je nachdem wie Du es zeichnest, welche Farben Du verwendest oder was Du noch ins Bild setzt können diese Gebäude Deinem Bild eine ganz eigene Geschichte verleihen. Und das, werter Leser, ist ein Schritt aus der Beschränkung heraus!

Einem Baum dauerte das alles zu lange

Der eigentliche Sinn von Skizzen ist in kurzer Zeit das Wichtigste abzubilden. Zu viele Details sind - in diesem Fall - leider die reinste Zeitverschwendung.

Baum skizzieren

Ich saß ungefähr eine halbe Stunde an der Skizze von diesem Baum, da ich mich beim Zeichnen einfach nicht entscheiden konnte, wie ich diese Skizze anfertigen soll.

Stamm und Äste hätte ich ganz schnell festhalten können, indem ich von Beginn an den Bleistift schräg angesetzt hätte für mehr Fläche. Und auch die Blätter hätten in nur wenigen Sekunden fertig sein können, hätte ich sie direkt nur angedeutet.

Mir ist bei diesem Baum klar geworden, wie schwer es mir fiel loszulassen von Details und mich mit angedeuteten Dingen zufrieden zu geben. Denn ich weiß, wie die Blätter eines Baumes aussehen, ich muss nicht jedes Blatt einzeln skizzieren.

Der See findet die Leistung okay

See skizzierenDie nächste Skizze entstand auf einer Sonnenterrasse an einem See und verlief besser, als die des Baumes und der Holzlaube.

Es ist nicht einfach einen Punkt zu finden, an dem man beginnen kann. Im Wasser ist nämlich eine Menge los: Es wächst chaotisches Gestrüpp heraus, auf dem Grund liegen haufenweise Steine und die Wellen auf dem Wasser machen es dem Auge auch nicht einfacher die Dinge zu erfassen. Vor allem, wenn dann auch noch Enten vorbei schwimmen und den Wellengang ständig verändern :)

Irgendwo musste ich beginnen, also nahm ich mir das Schilf vor. Da wuchs deutlich mehr, für meine Skizze wählte ich aber nur ein paar Halme.

Mir war es wichtig die Spiegelung zu erfassen, das Wasser kenntlich zu machen und die Steine am Grund anzudeuten. Damit fasst die Skizze nämlich das Wichtigste an diesem Ort zusammen. Die Steine hätte ich mir sparen können (im Nachhinein betrachtet), aber sie waren da, also wurden sie gezeichnet.

Wasser hat mich bislang immer genau deswegen eingeschüchtert, weil es ständig in Bewegung ist und Spiegelungen darauf ebenfalls nie still sind. Die Skizze ist zwar kein Meisterwerk, aber ein guter Schritt in die richtige Richtung meine Hemmung Wasser zu zeichnen zu überwinden.

Den See sollte ich in naher Zukunft noch einmal als Vorlage nutzen. Er rennt ja nicht weg.

Erkenntnisse und Auslöser dieses Beitrags

Baum draußen zeichnen

  1. Das Skizzieren draußen hat mich auf neue Ideen für Bilder gebracht, auf die ich sonst nicht gekommen wäre!
  2. Gebäude zeichnen ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte
  3. Draußen im Park hatte ich am meisten Spaß
  4. Ich will mehr Dinge aus der Natur zeichnen lernen.
  5. Am Anfang kam ich mir etwas blöd vor, wenn andere Menschen in der Nähe waren, das verflog aber recht schnell (und es interessiert die anderen sowieso nicht, was man macht).

Übrigens ist Stephanie Law’s Instagram Auslöser für diesen Beitrag gewesen. Im April postete sie ein Video, in dem sie ihr Reise-Skizzenbuch zeigte und ich dachte mir direkt wütend “Warum machst du sowas cooles nicht, Livia?!”.

Falls ihr Instagram habt, schaut definitiv bei ihr vorbei! Auf Facebook gibt es sie auch. Ihre Bilder sind der absolute Wahnsinn und ich bin mir sicher, dass ihr so tolle Naturbilder noch nicht gesehen habt. Eine Webseite gibt es natürlich ebenfalls, falls ihr die sozialen Medien nicht nutzt.



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